Angepasste Ampelsteuerung für Radfahrer bei Regen – sinnvoll oder reine PR?

Fahrradfahren und zu Fuss gehen ist rein theoretisch auch bei Wind und Regen kein Problem – die richtige Bekleidung vorausgesetzt. In der Praxis kann es aber durchaus unangenehm werden. Denn wer bewegt sich schon gerne nass und frierend auf seinem Fahrrad oder per pedes durch die Stadt?

Zur Förderung des nicht-motorisierten Verkehrs haben daher einige Städte begonnen, die Umlaufzeiten von Lichtsignalanlagen an die Wetterlage anzupassen. Radfahrer und Fussgänger sind Wind und Wetter ausgesetzt, während Autofahrer gleichzeitig wettergeschützt im trockenen und warmen Fahrzeuginnenraum sitzen. Durch eine Verkürzung der Umlaufzeit, der Dauer zwischen dem Beginn einer Grünphase bis zum nächsten Beginn der gleichen Grünphase, wird die Wartezeit an Lichtsignalanlagen verkürzt und der Fahrkomfort bei schlechtem Wetter etwas gesteigert.

Regensensor

Verschiedene niederländische Städte haben an einigen Kreuzungen Regensensoren installiert. Die optischen Sensoren emittieren ein Infrarotsignal, welches durch Niederschlag unterbrochen wird. Die Unterbrechung wird detektiert und ein Signal an die Steuerungssoftware der Lichtsignalanlage gesendet, welche daraufhin die Umlaufzeiten für Radfahrer anpasst. Zurzeit sind zwei Arten von Sensoren auf dem Markt: ein Sensor detektiert das Auftreten von Schnee und Regen, während der andere Sensor auch die Intensität des Niederschlags in vier verschiedene Klassen einteilen kann. Das Nachrüsten einer bestehenden Lichtsignalanlage an einer Kreuzung kostet rund 15'000 CHF. Bei der Installation einer neuen Anlage betragen die Kosten nur wenige hundert Franken. Die Verwendung eines Regensensors ist nur möglich, wenn die Lichtsignalanlage nicht in eine „grüne Welle“ integriert oder mit mehreren anderen Lichtsignalanlagen synchronisiert wird.

Ende 2015 wurden in Rotterdam erste Regensensoren an der Kreuzung Bosdreef-Boezemweg installiert. Radfahrer erhalten bei schlechtem Wetter nun zwei statt nur einem Grünzyklus. Die durchschnittliche Wartezeit für Radfahrer soll bei schlechtem Wetter um 40 Sekunden sinken.

Effektiv oder reine PR?

Zwar klingt die Idee zunächst gut, in der Praxis sei eine Anwendung jedoch nur in einigen Fällen sinnvoll.

An stark befahrenen Strassen ist eine Installation häufig nicht möglich, da es ansonsten zu einem starken Rückstau kommt. Bisweilen ragt dieser in den zurückliegenden Kreuzungsbereich hinein. Aufgrund des schlechten Wetters ist zudem die Verkehrsmenge motorisierter Verkehrsmittel höher, da einige Radfahrer auf das Auto oder den öffentlichen Verkehr umsteigen. Dies verschärft das Problem. Ständiges Bremsen und Wiederanfahren erhöht zudem den Ausstoss von CO2, Stickoxid und Feinstaub und emittiert zudem mehr Lärm – negative Einflüsse, von denen Radfahrern direkt betroffen sind. Hinzu kommt ein unerwünschter Zielkonflikt zwischen einer Beschleunigung des öffentlichen Personenverkehrs und des Radverkehrs.

An Kreuzungen, an denen das Rückstauproblem aufgrund der geringen Verkehrsstärken nicht auftritt, stellt sich die Frage, ob Radfahrer nicht generell häufiger Grün erhalten sollten – auch wenn es trocken ist. Für den motorisierten Verkehr entstünde kein Nachteil, während der Radverkehr bei jedem Wetter profitiert. Auf die Installation eines speziellen Sensors könnte daher verzichtet werden.

Regensensoren könnten am Ende gar keine Masnahme zur Radverkehrsförderung, sondern eher geschicktes Marketing der Politik sein. Für wenige hundert Euro wird der Radverkehr bei Regen öffentlichkeitswirksam gefördert, obwohl eine viel weitergehende Verbesserung für Radfahrer durch eine einfache Umprogrammierung des Signalzeitenplans möglich wäre. Aussagen, dass keine negativen Auswirkungen für andere Verkehrsarten entstehen oder keine Beschwerden geäussert wurden, sind ein Zeichen, dass eine viel weitergehende Anpassung möglich wäre. Ohne Regensensor, dafür aber mit einer wetterunabhängigen und ganzjährigen Förderung des Radverkehrs.

Quelle: Martin Randelhoff - Zukunft Mobilität - 15.02.2016

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